INSU-PU, der Abenteuerroman für ältere Kinder und Jugendliche, feiert 2026 ein ganz besonderes Jubiläum
Unter den Büchern von Mira Lobe, die in diesem Jahr 2026
einen runden Geburtstag oder ein Jubiläum feiern
sticht INSU-PU besonders hervor.
Warum?
- Die allererste Version des Buches erschien bereits im Jahr 1948 in Israel in hebräischer Sprache. Die erste deutschsprachige Version erschien 1951 in Wien, wohin Mira Lobe ein Jahr vorher mit ihrer Familie übersiedelt war. Die deutsche Erstausgabe ist also schon 85 Jahre alt. Aber das Buch INSU-PU in der Version, die noch heute am Buchmarkt erhältlich ist, erschien erstmals 2006, also vor genau 20 Jahren.
- INSU-PU ist der erste umfassende von Mira Lobe verfaßte Text, der in Buchform erschienen ist. (Davor gab es von ihr nur nur zwei kleine, selbst illustrierte Büchlein – eines mit hebräischen Kindersprüchen, das andere zum erlernen des hebräischen Alphabets.)
- INSU-PU ist nicht nur das erste, sondern auch eines der wenigen von Mira Lobe verfaßten Romane für ältere Kinder bzw. für Jugendliche oder Erwachsene.
- INSU-PU ist ein historisches Zeitdokument, mit dem Hintergrund der furchtbaren Geschehnisse im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg: Bombardierungen, Evakuierungen, Verfolgung, Massenmord, Flucht und Emigration.
- Für die hebräische Ausgabe hat Mira Lobe sowohl das bunte Titelbild als auch die, den Text begleitenden Illustrationen selbst gezeichnet. Alle späteren Werke entstanden im Kooperation mit anderen hoch professionellen Illustrator:innen.
Die Rahmenhandlung:
In „Urbien“ herrscht Krieg. Das Land wird bombardiert. Deshalb wird eine Rettungsaktion für urbische Kinder gestartet: Mit einer Flotte von Passagierschiffen sollen sie nach „Terranien“, einem vom Krieg nicht betroffenen Land, gebracht werden. Als eines der Schiffe, von einer Mine getroffen sinkt, sollen die Kinder mit Rettungsbooten auf die anderen Schiffe gebracht werden. Aber in der Hektik treibt ein Rettungsboot mit 11 Kindern an Bord ab. Sie stranden auf einer unbewohnten Insel und die vier Mädchen und sieben Jungen starten ihren Überlebenskampf. Unter der Führung des Ältesten, einem erfahrenen sechzehnjährigen Pfadfinder, organisieren sie eine Art Kinderstaat und geben ihm feierlich den lateinischen Namen „Insula Puerorum“,zu deutsch „Kinderinsel“, kurz: INSU-PU.
Jedes der Kinder übernimmt eine seinen Fähigkeiten entsprechende Aufgabe. So erschaffen sie sich die Grundlage für ihr gemeinsames Leben und Überleben auf der Insel. Es ist ein Leben voller Abenteuer und, trotz auftretender Konflikte, gestalten sie ihr Leben solidarisch nach demokratischen Grundsätzen. In einer (auch in Wikipedia zitierten) Rezension wird das so beschrieben: „Schnell merken nicht nur die Kinder auf INSU-PU, sondern auch die, die das Buch in Händen halten, dass jeder etwas Besonderes ist und seinen Teil zur Gesellschaft beitragen kann und muss.“ Und: „Mira Lobe spinnt eine fesselnde Geschichte, die man kaum wieder aus der Hand legen möchte. Originell und überzeugend gelingt es der Autorin, uns in das Entstehen des „Kinderstaates“ emotional zu involvieren. Besonders gelungen sind die Darstellungen der Charaktere. Junge Leser werden sich schnell mit einem der Kinder identifizieren können, da die Persönlichkeiten sehr vielfältig sind. Für jeden Leser bietet dieses Kinderbuch eine Rolle, in die er schlüpfen kann.“ (Simone Brinkschulte, in: kinderbuch-couch.de)
Der reale Hintergrund:
Die Geschichte entstammt den biografischen Erlebnissen und Erfahrungen von Mira Lobe. Sie war selbst eine aus ihrer deutschen Heimat vertriebene und zur Emigration gezwungene junge Frau, als sie 1936 im damaligen britischen Mandatsgebiet „Palästina“ Asyl fand. Dabei musste sie, wie Millionen andere Verfolgte und Vertriebene, alles zurücklassen – auch ihre Familie.
Außerdem gab es einen Zusammenhang zu den realen Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg: Am 18. September 1940 wurde ein Schiff ("City of Benares"), das Kinder aus den bombardierten britischen Städten nach Kanada bringen sollte, von einem Torpedo getroffen und versank. Dabei kamen 77 Kinder zu Tode.
Hebräische und deutsche Erstausgabe:
In der Rahmenhandlung der hebräischen Erstfassung sind die Bezüge zu den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges klar benannt. Sie beschreibt den realen Bombenkrieg, den Nazideutschland gegen England geführt hatte. Es geht ausdrücklich um britische Kinder, die in die kriegsferne USA gebracht werden sollen.
Das ist ein klarer Unterschied zur der drei Jahre später verfassten deutschen Erstausgabe, in der alle direkten Bezüge zum Zweiten Weltkrieg beiseite gelassen wurden. Nicht Großbritannien befindet sich hier im Krieg mit Nazideutschland, sondern das fiktive Land Urbien wird von einer fremden Kriegsmacht angegriffen. Und die Kinder werden nicht in die USA oder nach Kanada, sondern in das, ebenso fiktive, Terranien verschifft. Auch die handelnden Personen, hauptsächlich Kinder, haben nun keine typisch britischen Namen mehr, sondern solche wie sie im deutschsprachigen Raum üblich sind. Offensichtlich war es Mira Lobe ein Anliegen für das Nachkriegseuropa eine Version von INSUPU zu schaffen, die prinzipiell gegen Krieg, Tötung und Verfolgung Stellung bezieht, aber jenseits der Schuld- und Opferfrage, die in Bezug zum Zweiten Weltkrieg gestellt wurde. Die deutschsprachigen Ausgaben werfen einen unspezifischeren Blick auf kriegerische Konflikte und das Elend von Krieg, Vertreibung, Flucht und Genozid wie sie auch in der heutigen Zeit erschreckend aktuell sind.
Ausgaben:
Die erste Ausgabe von INSU-PU ist 1948 in hebräischer Sprache erschienen. Später gab es gelegentliche Neu- und Nachdrucke dieser hebräischen Version.
Die Erstausgabe in der deutschsprachigen Version erschien 1951 beim Verlag Waldheim und Eberle.
1965 folgte beim Verlag für Jugend und Volk eine Neuausgabe.1991 gab derselbe Verlag eine neugestaltete Ausgabe heraus.
1983 erschien der Text als Taschenbuch bei dtv - Junior.
Zuletzt erschien beim Jungbrunnen Verlag 2006 jene Neuausgabe, die heuer ihren 20. Geburtstag feiert und aktuell in der 4. Auflage vorliegt. Sie ist inhaltlich überarbeitet, textlich modernisiert und mit einem speziellen Vorwort versehen.
Verfilmung:
Die BBC verfilmte INSU-PU 1984 als achtteilige Miniserie. Sie hieß Children’s Island. Diese Verfilmung folgte der hebräischen Ursprungsversion des Textes. Von Oktober 1989 bis Januar 1991 tief die Serie mit dem Titel Elf kleine Insulaner auf ProSieben.
Das INSU-PU - Jubiläum nehmen wir zum Anlass auf die anderen von Mira Lobe verfassten Romane für ältere Kinder, Jugendliche oder Erwachsene hinzuweisen: